Reformation

Kirche erneuern statt spalten

Bergsteiger zwischen zwei Bergen

Keine Spaltung, sondern Erneurung hatte Luther für die Kirchen im Sinn, als er die Reformation anstrebte

Bild: istockPhoto / gregepperson

Die Frage, ob Luther am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen an die Kirchentüre der Schlosskirche zu Wittenberg nagelte, ist umstritten.

Bis heute gibt es keine direkten Belege für das Ereignis des Thesenanschlages, das der Universalgelehrte und Reformator Philipp Melanchthon im Vorwort seiner Lutherausgabe dreißig Jahre nach dem Tod Luthers beschreibt.

Wie eine Notiz des Luthersekretärs Georg Rörer nahelegt, die im Jahr 2007 entdeckt wurde, könnte Luther jedoch durchaus den Statuten der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena gefolgt sein, die vorsahen, dass wissenschaftliche Bekanntmachungen öffentlich an die Kirchentüren angeschlagen werden mussten.

Geld mit dem Seelenheil Gläubiger machen

Fest steht jedoch, dass Luther versuchte, einen Diskurs über den Ablasshandel seiner Kirche anzustoßen – sowohl im Kreis der klerikalen Verantwortungsträger, als auch in der Öffentlichkeit. So predigte er bereits ein Jahr vor dem Thesenanschlag öffentlich gegen den Ablassprediger Johann Tetzel und Roms Politik, Geld mit dem Seelenheil der Gläubigen zu verdienen.

Seine Theologie, dass der Gläubige nur aus der Gnade Gottes gerecht werde, entwickelte sich in den folgenden Jahren zum zentralen Moment einer neuen Glaubensbewegung, die schließlich zur Kirchenspaltung führte. Luther, der in seinem Selbstverständnis eben ein ,Kirchenerneuerer‘ war, hatte diese Spaltung nicht beabsichtigt.


30.06.2014 / Kerygma