Christi Himmelfahrt

Bitte Wundern

Christi himmelfahrt: Bitte wundern

Christi himmelfahrt: Bitte wundern

Bild: Sally Elena Milota / Edith Images

An Christi Himmelfahrt geht es um Dinge zwischen Himmel und Erde, die es eigentlich gar nicht geben dürfte.

Im Oktober des Jahres 2013 fand an der Uniklinik Regensburg ein sehr ungewöhnlicher Fachkongress statt. In interdisziplinärer Besetzung wurde über das Phänomen der Spontanremission gesprochen, der plötzlichen Heilung von Patientinnen und Patienten, die an unheilbaren tödlichen Krankheiten litten. Spontanremissionen werden von der medizinischen Forschung erst seit einiger Zeit ernst genommen und systematisch untersucht. Auch wenn sie statistisch äußerst selten auftreten, gibt es immer wieder gut dokumentierte Fälle, die unbestritten als medizinische Wunder bezeichnet werden können.

Auch im Kern von Christi Himmelfahrt steht ein Wunder, also ein Ereignis, dass man nicht rational erfassen kann. Die Trauer der Jüngerinnen und Jünger war an Ostern zunächst dem Erstaunen über die Auferstehung gewichen. Die folgenden Wochen mögen für sie eine Zerreißprobe gewesen sein – schwankend zwischen Hoffnung und Euphorie, Zweifel und Orientierungslosigkeit. Die Bibel berichtet, dass Jesus immer wieder Einigen unter ihnen erscheint, die wohl getrennt voneinander auf dem Rückweg von Jerusalem in ihre Heimat Galiläa waren. Doch diese Treffen sind immer von einer eigenartigen Verklärung der Jüngerinnen und Jünger geprägt, sie wirken eher wie Visionen und nicht wie tatsächliche Situationen. An Christi Himmelfahrt erscheint Jesus dann dem Elferkreis in Jerusalem, er macht sich in der Feier des Abendmahls konkret körperlich erfahrbar und gibt seinen Jüngerinnen und Jüngern den Auftrag, sein Wort in der ganzen Welt zu verkünden. Dann wird er vor den erstaunten Blicken der Anwesenden in den Himmel entrückt.

Was passiert mit einem Menschen, der ein Wunder erlebt? Heute wie damals stellen Wunder Irritationen des Alltäglichen dar. Das, was man glaubte zu wissen, steht plötzlich auf dem Kopf. Danach können die meisten Menschen nicht einfach so weitermachen wie zuvor. Das gilt auch für die Jünger: Waren sie vorher noch von Selbstzweifeln und Schuldgefühlen geplagt, weil sie Jesus nach seiner Verurteilung alleine gelassen hatten, fühlten sie sich nun wieder mit ihrem Meister versöhnt und waren bereit, seine Aufgabe zu übernehmen. Das zeigt noch einen weiteren Aspekt des Wunders: Aus christlicher Perspektive sind Wunder Zeichen, in denen sich Gottes Liebe ganz konkret zeigt. Damit sind sie eigentlich immer etwas Persönliches und betreffen nur einen kleinen Kreis von Personen. Über diesen Kreis hinaus mag das Wundersame strittig sein, es trifft auf Glauben oder Unglauben, es macht Hoffnung oder führt zu Skepsis.

Dass sich medizinische Wunder bislang nicht reproduzieren lassen, ist auch das nüchterne Fazit der Forschung. Das Ärzteblatt schreibt: „Beim heutigen Wissensstand gibt es keine Empfehlungen, wie eine Spontanremission zu fördern wäre“.


30.06.2014 / Kerygma