Erntedank

Vom Wachsen und Gedeihen

Pflanze

Wachstum steht im Mittelpunkt des Erntedankfestes

Bild: iStockPhoto / bo1982

Das Erntedankfest ist wahrscheinlich eines der ältesten Feste, das wir heute noch begehen, und reicht in seiner Bedeutung weit über unseren Kulturkreis hinaus.

Älteste Zeugnisse verweisen auf die heidnische Antike im Jahr 5000 v. Chr. aber auch in der jüdischen Tradition finden sich verwandte Festtage wie etwa das Laubhüttenfest. Für das Mittelalter lässt sich nachweisen, dass Guts- oder Großgrundbesitzer ihre Erntehelfer, nachdem die letzten Garben in die Scheunen gefahren waren, zu einem großen Fest einluden.

Seit dem dritten Jahrhundert wird das Erntedankfest auch als christliches Fest verstanden und seitdem von den Kirchen begangen. Die Metapher vom Wachsen und Gedeihen bzw. vom Ernten und Lagern ist ein wichtiger Bestandteil der neutestamentarischen Bildwelt Wenn Jesus etwa von den Arbeitern im Weinberg spricht, trifft er den Erlebnishorizont seiner Zuhörer, die die Realität der Tagelöhner auf den Feldern bestens kannten.

Gerade für die Kirche der Gegenwart hat das Erntedankfest eine wichtige Rolle eingenommen: In einer globalisierten und urbanisierten Gesellschaft hält die Kirchengemeinde inne und besinnt sich darauf, dass unsere Lebensmittel nichts Selbstverständliches sind. In den Erntedankgottesdiensten, die deutschlandweit am ersten Sonntag nach Michaelis gefeiert werden, werden nicht selten auch sozialkritische Töne angeschlagen: Es geht um die Zukunft der Welternährung und unsere Verantwortung für Menschen, die hungern.


15.07.2014 / Kerygma